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Deutsche Literatur und Weltliteratur
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Russland


Iwan Gontscharow (1812 - 1891)



http://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_G ...

Iwan Gontscharow, am 18. Juni 1812 im russischen Simbirsk (heute Uljanowsk) geboren, wurde, wĂ€hrend er als Beamter im russischen Staatsdienst arbeitete, zum Schriftsteller eines ergreifenden, einfĂŒhlsamen Werkes, das die leidenschaftliche, aber letzendlich unglĂŒckliche Liebe zwischen Ilja Iljitsch und der etwas jĂŒngeren Olga Sergejewna zum Thema hat. Mit liebevollem Humor erzĂ€hlt der Autor vom letzten Lebensjahrzehnt des Adligen Oblomow, der in St. Petersburg mit Dienerschaft wohnt, aus dem Beamtendienst ausgeschieden ist und der kaum aus seinem Bett herauskommt, es sei denn zu gutem Essen. Wie unter einem VergrĂ¶ĂŸerungsglas prĂ€sentiert Gontscharow in Oblomows Traum die einfache dörfliche russische Welt von Oblomowka, dem weit von Petersburg entfernten Herkunftsort des Haupthelden, mit seinen Personen, GeschĂ€ften und Speisen, mit seinen Gewohnheiten, seinen NachlĂ€ssigkeiten und seinem Aberglauben. Ilja Iljitsch Oblomow, der GnĂ€dige Herr, dessen behĂŒtete Kindheit als Gutsbesitzersproß keine FĂ€higkeit zum Kampf in seiner Seele erzeugt hat, keine FĂ€higkeit zur Ausdauer, hat dafĂŒr einen umso sanfteren, klareren und genĂŒgsameren Charakter - eine SchwĂ€che, die von manchem Spitzbuben unter seinen angeblichen Freunden raffiniert ausgenutzt wird. Auf der anderen Seite steht sein echter Freund aus Kindertagen, Andrej Stolz, vĂ€terlicherseits Deutscher, ein vielbeschĂ€ftigter GeschĂ€ftsmann, der aus ganz anderem Holz geschnitzt ist, und der ein ums andere Mal Ilja aus der Not helfen will, meistens aber an der TrĂ€gheit Oblomows scheitert. Olga Sergejewna verbindet die beiden Haupthelden. Stolz, ihr Freund und Ratgeber, macht sie mit dem trĂ€ge dahinsiechenden RuhestĂ€ndler bekannt, und der schĂŒchterne Oblomow wird fĂŒr sie zur ersten großen Herausforderung ihres Lebens. Sein einsames Herz fĂ€ngt sofort Feuer bei Olga, und auch bei ihr selbst zeigen sich die Symptome des Herzwehs, nachdem sie beobachtete, wie sehr sich ihr Objekt der Neugier und der BeschĂ€ftigung zum Subjekt einer, wenn auch unbestĂ€ndigen Leidenschaft entwickelte. Doch Ilja Iljitsch hat zuviel Angst vor dem Gerede der Leute, ist zu trĂ€ge seiner Verantwortung fĂŒr sein Gut nachzukommen, wird finanziell betrogen; kurz, er hat Angst vor der Zukunft mit Olga, die diesen unsicheren Weg mit ihm schließlich unter Qualen nicht mehr mitgehen kann. Olga erkrankt und wird gerettet von Stolz. Oblomow erkrankt auch und wird gerettet von einer treusorgenden HaushĂ€lterin, die fĂŒr ihn nĂ€ht und kocht, ihm jeden Wunsch von den Augen abliest, und die langsam, obwohl es ihr selber unbewußt bleibt, liebende GefĂŒhle fĂŒr den GnĂ€digen Herrn entwickelt. So ersteht fĂŒr Oblomow wieder sein geliebtes Oblomowka im Kleinen, in einem heruntergekommenen Haus auf der Wyborger Seite der Newa.
Weitere Personen dieses kleinen St. Petersburger Kaleidoskops sind der griesgrĂ€mige Diener Sachar, die schlaue Köchin Anisja, der betrĂŒgerische Iwan Matwejew sowie sein Komplize, der ungehobelte, aber gerissene Tarantjew, der nur am Geld Oblomows interessiert ist. Mit seiner psychologischen Tiefe und Seelendeutung, mit seiner sprachlichen Brillanz und Bilderschau, mit seiner gesellschaftlichen Stellungnahme sowie weisen Einsichten in Liebe, Ehe und Familie ist Gontscharows Roman "Oblomow" ein Meilenstein in der Russischen Literatur.


http://de.wikipedia.org/wiki/Oblomo ...

Textauszug - ĂŒber Oblomows Freund, den Deutschrussen Andrej Stolz:
Sie war mit dieser praktischen Erziehung zur Arbeit nicht ganz einverstanden. Sie fĂŒrchtete, ihr Sohn wĂŒrde ein ebensolcher deutscher BĂŒrger werden wie die, von denen sein Vater abstammte. Sie sah die ganze deutsche Nation fĂŒr einen Haufen von KleinbĂŒrgern an und liebte nicht die Grobheit, SelbstĂ€ndigkeit und den Hochmut, mit denen die deutsche Menge ĂŒberall ihre durch ein Jahrtausend ausgearbeiteten BĂŒrgerrechte vorzeigte, ebenso wie eine Kuh Hörner trĂ€gt, die sie nicht rechtzeitig zu verstecken weiß. Ihrer Ansicht nach gab es in der ganzen deutschen Nation keinen einzigen Gentleman und konnte es auch keinen geben. Sie kannte im deutschen Charakter keine Weichheit, kein ZartgefĂŒhl und keine Nachsicht, nichts, was das Leben in besseren Kreisen so angenehm macht, womit man irgendeine Regel umgehen, eine herrschende Sitte aufheben und sich dem allgemeinen Gesetze widersetzen kann. Nein, diese Flegel stĂŒrmen auf einen los und berufen sich darauf, was sie einmal abgemacht und was sie sich in den Kopf gesetzt haben, und sind bereit, die Mauer mit dem Kopfe einzurennen, um nur nach ihren Regeln zu handeln.
... Und ihr schwebt fĂŒr ihren Sohn das Ideal eines Aristokraten vor; obwohl er ein ParvenĂŒ, der Abkömmling eines BĂŒrgers ist, ist er doch auch der Sohn einer russischen Edelfrau und ist ein weißer, wunderschön gebauter Knabe, mit so kleinen HĂ€nden und FĂŒĂŸen, mit reinem Teint, mit einem klaren, klugen Blicke, wie sie es in reichen, russischen HĂ€usern und auch im Auslande, aber natĂŒrlich nicht bei Deutschen, gesehen hat. Und plötzlich sollte er fast selbst MĂŒhlsteine drehen, von den Fabriken und Feldern, ebenso wie sein Vater, voller Fett und DĂŒnger, mit roten, schmutzigen, schwieligen HĂ€nden und einem Wolfshunger zurĂŒckkehren! Sie schnitt Andrjuscha schnell die NĂ€gel, brannte ihm die Locken, nĂ€hte ihm elegante Kragen und Vorhemden, bestellte fĂŒr ihn in der Stadt Röcke, lehrte ihn, den sinnenden Tönen von Herz zu lauschen, sang ihm von Blumen, von der Poesie des Lebens, flĂŒsterte ihm von einer glĂ€nzenden Laufbahn bald eines Kriegers, bald eines Schriftstellers zu, trĂ€umte mit ihm von dem hohen Beruf, der manchem zuteil wird ... Und diese ganze Perspektive sollte durch das Klappern des Rechenbrettes, durch das Entziffern der schmierigen Bauernrechnungen, durch den Umgang mit Fabrikarbeitern zerstört werden! Sie begann sogar den Wagen, in dem Andrjuscha in die Stadt fuhr, den Gummimantel, den der Vater ihm geschenkt hatte, und die grĂŒnen Handschuhe aus rauhem Leder zu hassen - alle diese groben Attribute eines der Arbeit gewidmeten Lebens. UnglĂŒcklicherweise lernte Andrjuscha vorzĂŒglich, und der Vater machte ihn zum Hilfslehrer in seinem kleinen Pensionat. Das wĂ€re noch das wenigste gewesen; aber er setzte ihm, wie einem Handwerksburschen, nach echt deutscher Art ein Gehalt fest: er bekam zehn Rubel monatlich und mußte das durch seine Unterschrift bestĂ€tigen.
Tröste dich, gute Mutter, dein Sohn ist auf russischem Boden aufgewachsen - nicht in der Alltagsmenge mit bĂŒrgerlichen Kuhhörnern, mit MĂŒhlsteine bewegenden HĂ€nden. In der NĂ€he war Oblomowka. Dort war ein ewiger Feiertag! Dort wurde die Arbeit wie ein Joch von den Schultern abgeschĂŒttelt; dort stand der gnĂ€dige Herr nicht beim Morgengrauen auf und ging nicht in die Fabriken an den mit Fett beschmierten RĂ€dern und Federn vorbei.


https://www.weltbild.de/artikel/hoe ...

Den OBLOMOW als Hörbuch, meisterhaft gesprochen von Christian BrĂŒckner.




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Augsburg, den 27 Jul 2021 06:23:43

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Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799)